Korruption

Juli 26, 2007

Ich glaube langsam versteh ich wie ein paar Sachen hier laufen. Alle sind Korrupt. Bzw. man sieht genau wer hier weiss wie man Geschaefte macht und das mit Rechtsstaatlichkeit und anderen unsinnigen europaeischen Ideen nicht so eng sieht. Natuerlich sind nicht alle Kurrupt, aber es gibt ein paar annahmen, die hier glaub ich hilfreich sind wenn man was werden will:

1. Jeder ist Kurrupt.

2. Man sollte jemand kennen, der noch Korrupter ist als man selbst.

3. Wenn man viel Geld hat kann man noch mehr machen wenn man Korrupt ist.

4. Ein wichtiges Papier wie ein Uni-Abschluss oder ein Personalausweis kann man fuer eine kleine oder grosse Aufmerksamkeit hier und da bekommen.

5. Man ist nicht gleich ein schlechter Mensch nur weil man sich manche Sachen gut bezahlen laesst.

Der Professor der mich betreut ist 72 Jahre und das Institut bezahlt ihm 100 Euro im Monat. Da reicht hinten und vorne nicht. Ich brauch so ca. 75Euro in der Woche und da ist die Wohnung, Wasser, Gas und Strom nicht mitgerechnet. Ich lass es mir hier zwar wirklich gutgehn und geh oft essen und trinken, aber 100 Euro reichen hinten und vorne nicht. Der Professor verdient nebenbei noch Geld mit Privatunterricht fuer reiche Schueler und Studenten, und dadurch, dass es irgendwelche Kongresse organisiert.

Im Hof steht steht immer ein neuer 7er BMW, die einem anderen Proferssor gehoert. Der verdient auch nur 100 Euro im Monat, ist aber anscheinen ganz gross dabei sich gut fuer irgendwelche ominoesen Gutachten bezahlen zu lassen und bestimmten Politikern die Ehrendoktorwuerde zu verleihen.

Viele haben hier einen „Nebentatigkeit“. Wenn man hier in Krankenhaus muss, kann mit einer kleinen Spende an die Verwaltung dafuer sorgen, dass die Rechnung verschwindet. Wenn man von der Polizei angehalten wird sollte man Zigaretten oder Vodka im Auto haben, dann gehts schneller. Wenn man zufaellig jemand kennt, der eine Stufe hoeher ist als ein Streifenpolizist, muss man nichtmal anhalten. Ich lauf hier jeden morgen zum arbeiten ueber eine Kreuzung, wo die Polizei steht. Die steht dort den ganzen Tag, damit sie den Verkehr anhalten koennen, wenn der Praesident nach Hause will. Wenn ihr langweilig ist halten sie einfach Autos an und bekommen dann Zigaretten. Die winken immer mit ihrem Stock, und die grossen Karossen fahren einfach weiter. Das darf man hier wohl. Jetzt weiss ich auch endlich was es heisst, dass ein Mercedes eingebaute vorfahrt hat.

Also ich hab das hier alles die letzten vier Wochen genau beobachtet und ein paar Leute diesbezueglich ausgefragt. Mittlerweile weiss ich glaub ganz gut wies laeuft. Jedenfalls bin ich am Monatg mit dem Griechen ins Hotel neben meim Haus gegangen und hab dem Portier ca. 4 Euro fuer den W-Lan Schluessel gegeben, damit ich in meiner Wohnung surfen kann und nicht immer Geld fuers Internetcafe ausgeben muss. Leider ist in meiner Wohnung die Verbindung schelcht, oder irgendwas anderes klappt nicht, jedenfalls kann ich ins Netzwerk vom Hotel, aber nicht ins Internet. Naja, es ist ja noch kein Profi vom Himmel gefallen. Jedenfalls wars rausgeschmissenes Geld und ich bin im doch froh, dass in Deutschland alles seine Ordnung hat.


Heute gibts Bilder

Juli 19, 2007

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Heimatverein

Juli 13, 2007

Heute war’s armenisch. Vom arbeiten kenn ich ein, Naktora oder so ähnlich, ich weiß weder wie man das schreibt noch weiß ich wie man das ausspricht. Er war der Distanzierteste von allen, aber mittlerweile hab ich eine gute „Connection“ zu ihm gefunden. Jedenfalls hab ich mich gestern schon lang mit ihm unterhalten. Eigentlich mag er keine Deutschen. Zuviel Krieg, Völkermord…

(Vorsicht, jetzt wird mein Bericht dokumentarisch)

Er sieht sich selbst Westarmene, was ziemlich tief in seiner Identität verwurzelt ist. Seine Großeltern leben in einem Ort namens Van und wurden dann 1917 von den Türken vertrieben. Er hat mir von den Vertreibungen erzählt, wovon seine Großeltern betroffen waren, welche ihm wohl viel davon erzählt haben als er noch jünger war.

Ich hab irgendwann rausgefunden, dass er in einer Organisation ist, die fast schon fundamentalistische Ansichten vertritt und dafür kämpft dass der Völkermord durch die Türken anerkannt wird und langfristig die Gebiete aus denen die Menschen vertrieben wurden an Armenien zurückgegeben werden. In der Türkei, und dass hab ich extra noch mal nachgelesen, ist es Verboten die „vereinzelte Deportierung von Armenen in ihr ursprüngliches Siedlungsgebiet“  als Völkermord zu bezeichnen und wird mit zu 5 Jahren Gefängnis bestraft. In der Türkei gilt das als Herabwürdigung der Türkentums. International ist es jedoch als Völkermord anerkannt, und in Frankreich ist seit einiger Zeit sogar Verboten den Völkermord zu leugnen.

Das alles ist hier ziemlich präsent. Der Konflikt mit den Azerbaijanern führ auch auf die Ereignisse im ersten Weltkrieg mit den Türken zurück. So hat ers zumindest erklärt. Jedenfalls ist er in dieser Organisation, die sich mir später als eine Art „Heimatverein“ von Westarmenen rausgestellt hat. Zurück zu meinen Erlebnissen 2oo7

(So, jetzt ist der dokumentarisch Teil vorbei)

Nachdem ich mit ihm im Büro ca. 1 Schachtel Zigaretten geraucht und 1L Kaffee getrunken hab, hab ich mich bei ihm zu einer Probe in seinem Verein eingeladen. Das war gestern. Heute war dann auch schon mein großer Tag. Klatschen, Singen, Tanzen, Duduk spielen und Trommeln, war alles dabei. Duduk ist eine Mischung aus einer Flöte und dem Ding mit dem alte Menschen nach ihren Hunden pfeifen. So klingt es zumindest, find ich. Fürs singen hatte ich noch die beste Ausrede, da ich ja kein armenisch kann. Duduk spielen ist echt schwierig, und das obwohl ich 2 Jahre im Gymnasium geflötet hab. Trommeln ist nicht so schwer. Es hat mich erst etwas Überwindung gekostet als ich dazu aufgefordert wurde mitzutanzen, aber ich hab’s gemacht. Ging ja eh nich anders. Außerdem will ich ja was erleben hier, und dafür Riskier ich gern mich eventuell zum Affen zu machen. Nach den ersten Minuten hab ich angefangen mich dort prächtig zu amüsieren. Ich glaube, wenn mich jemand gesehen hätte der mich kennt, der wäre der erstickt vor lachen. (Das wär Mos letzte Stunde gewesen). Der Tanz hier ist sehr Fremd und anders als alles andere was man so kennt. Ich bin regelrecht über den alten Sporthallenboden geschwebt, wie alle anderen auch.

Leider sollte ich keine Fotos machen. Ich konnte es mir aber nicht verkneifen ein paar Sekunden Video zu sichern, da mir klar war das man so was nicht beschreiben kann, ohne das jeder ein völlig falsches Bild davon bekommt oder es für übertrieben hält.. Das Lied, da konnte ich leider noch nicht mitmachen, war übers Heiraten, angeblich schon über 1000Jahre alt. Aus Westarmenien, natürlich. Auf jeden Fall stand ich da irgendwann mitten drin. Prächtig …