Endlich Wochenende. Nachdem ich Freitagabend nur kurz mit den andern Praktiks unterwegs war, war Samstag Aktionstag. Wir sind erstmal gemeinsam, nach einer Odysee durch Yerevan, im Zoo gelandet. Für ca. 30 Cent eintritt gab’s wirklich was zu sehen. Im Schlangenhaus war das ein oder andere Glas kaputt, so dass es wirklich abenteuerlich war, und auch die Löwen waren nicht wirklich gut weggeschlossen. Die Käfige sind dort glaub ich traditionell sehr vollgeschissen, die Tiere sind in einem eher dürftigen Zustand und der armenische Negerknut ist auch nicht halb so cool wie der echte. Trotzdem ist so ein Zoobesuch hier ein größeres Erlebnis als Wilhelma. Hier darf man alles man in Deutschland gerne machen würde. Für ein paar cent kann man den Tieren was zu essen kaufen, und dann reinschmeißen, oder wies die Armenen machen, einfach Chips nehmen und die dann den Tieren zum Fraß vorwerfen. Ist wahrscheinlich billiger. Einer hat ne Colafalsche zu den Rotarschaffen (ich kenn leider die biologisch korrekte Bezeichnung für die Affen mit den roten Ärschen nicht) geworfen. Der Affe hat’s sogar geschafft den Verschluss aufzudrehen. Ich hätte den Affen gern ein Bier ausgeben, aber die Glasfalschen sind nicht so gut zu werfen. In Armenien haben die Tierschützer augenscheinlich noch keine so große Lobby. Die Käfige von den mehr oder weniger gefährlichen Lebewesen waren eigentlich alle so gestaltet, dass man durch die Gitter greifen konnte um die Tiere zu streicheln. Was bei den Kindern sehr beliebt ist, ist es das Vieh mit dem Plastik-Jedischwert, dass eigentlich überall im Zoo verkauft wurde, „anzustupfen“ damit da ein bisschen Leben in den Käfig kommt und die Tiere einige Laute von sich geben. Manchmal konnte man sich nämlich nicht sicher sein ob das Tier im Käfig bei 35° einfach keine Bewegung vertragen kann, oder ob es schon das zeitliche gesegnet hat. Aber um Klarheit zu schaffen gibt’s ja das Jedischwert. Für ca. 1 Euro konnte man sich eine Phyton um den Hals hängen lassen oder ein Tigerbaby auf den Arm nehmen um Photos zu machen. Da Schlangen nicht so mein Ding sind, und der kleiner Löwe einen kleinen Jungen bös gekratzt hat, habe ich auf bei des verzichtet. Deswegen gibt’s nur ein Photo vom Ire mit der Phyton.
Irgendwann sind wir mit nem Minibus wieder in die Stadt und haben bei mir ein Bier geschnappt. Die ganzen Ausländer waren sichtlich überrascht als ich für jeden eins aufgemacht hab. Ich dachte zumindest der Ire ist das gewöhnt.
Ich hab dann nen Mittagschläfchen gemacht und bin danach mit den Andern auf die armenische Variante vom Live Aid Konzert gegangen. Armenischer Country, abgefahrene Musik, sowas hab ich noch nie gehört. Danach bin ich noch mit dem Kolumbier, zwei armenischen Fremdsprachenkorrespondentinnen und nem Spanier, die alle drei der Kolumbier angeschlappt hat, in nen Nachtclub hier. Musik, Bier und Einrichtung sind genau wie in Deutschland, abgesehen davon dass hier alle relative Nüchtern und ohne Drogen ihren Spaß hatten, und das obwohl ein Bier gerade mal nen Euro kostet. Die Leute hier Tanzen ziemlich amüsant, zumindest vor dem Hintergrund, dass sie nüchtern und auf ner fast leeren Tanzfläche sind. Es war nicht gerade voll, aber ich hab mir sagen lassen dass es für armenische Verhältnisse gut gefüllt sei. Ist den Leuten hier zu teuer und außerdem ist es Sommer und viele Bars sind geöffnet. So gegen halb eins hat sich der Laden schon geleert und die Mädels sind heim. Der Rest hat sich dann noch mal in ner Bar auf ein Bier eingelassen, und der Spanier hat ziemlich gut deutsch gekonnt und mir vom Oktoberfest und Karneval erzählt. Die Spanier sind aber auch wirklich überall anzutreffen.
Hier ist zwar vieles anders, aber einiges haben sie aus aller Welt zusammengetragen. Der Landschaftsplaner hat in Stuttgart abgeschaut und die Stadt in einen Kessel gelegt. Der hat auch den Fernsehturm am Rand nicht vergessen. Die Plattenbauten kommen aus Lauchau und Plattenhardt. Die Freitreppe war auch eine gute Idee, nur dass sie die etwas vergrößert haben. Unsern Hauptbahnhof haben sie fast 1:1 übernommen, nur ist es eben kein Bahnhof mehr, sondern das Außenministerium. Ein Viertel haben sie glaub ich aus Südamerika eingeflogen. Schöne Wellbelchhütten auf einem grünen Hügel. Die Verkehrsführung kommt aus Italien, nur dass sie hier klarer unorganisiert ist. Sogar unsern Knut haben sie, zwar in schwarz aber immerhin. Und eben den lustigen Quotenspanier der in jeder europäischen Kleinstadt zu finden ist hat’s hier auch.
Teletubbies und Spiderman sind auch vertreten, wobei die Teletubbies hier auf Opium sind. Die sehen hier bekifft aus und sind gefährlich. Ich hab glaub schon gesagt, dass hier noch keiner von uns über den Tisch gezogen worden ist, und noch keiner Tourizuschlag entrichtet hat, aber ein Teletubbi hat versucht uns zu gangstern. Wir waren hier auf einem großen Platz vor der größten Kirche und da ist ein Teletubbi rumgelaufen und hat Luftballons verkauft. Der Grieche hat ein Foto mit dem gemacht und dann wollte das Vieh 2000 Dram von ihm, das sind ca. 4€. Er hat ihm dann 150 gegeben, was zwar immer noch zuviel ist, aber besser als ne Boxerei mit nem drogenabhänigen Teletubbi.
Juli 9, 2007 um 13:00 |
ich musste grad tatsächlich „wilhelma“ googlen!
))
aber jetzt weiß ich´s! stuttgarter zoologisch-botanischer garten!
unser heißt „hagenbecks tierpark“, da weiß man sofort, dass es sich hierbei um einen zoo handelt.
aber „wilhelma“ ist auch originell!