Dritter Tag,
Jo, dritter tag. Heute bin ich aufgestanden, hab wie gestern schon angekündigt relativ kalt geduscht ohne zu Fluchen danach kurz nen Nescafé gezogen und ein Stück armenisches Brot verdrückt, das in Kombination mit Nutella etwas komisch schmeckt. Zu salzig. Auf dem Weg zur Arbeit hat’s eine französische Bäckerei bei der ein Eifelturm aus Zucker im Schaufenster steht, da werd ich morgen mal vorbeischauen.
Beim arbeiten hat mir die Dame die bei mir im Zimmer hockt (bzw. bei der ich im Zimmer sitz) erstmal nochn Kaffee gemacht. Hatte eigentlich gar kein bock, aber da ich absolut kein armenisch und nur eine Handvoll Wörter russisch gelernt hab musste ich und ablehnen geht hier ja sowieso nicht, egal bei was und auf welcher Sprache. Danach gab’s ein Stück Kuchen. Hab mal wieder vergessen wie es heißt, aber das sieht aus wie das Zeug das bei jeder gut geführten Dönerbude hinter dem Glas zwischen Salat und Schafskäse liegt. Es ist aus Blätterteig und schmeckt nach Marzipan und trockenem Croissant, ein bisschen Fremd aber gar nicht schlecht. Hier bekommt man überall was zu essen, egal ob man will oder nicht. Die essen hier ziemlich türkisch hab ich den Eindruck bzw. das türkische Essen ist ziemlich armenisch. Natürlich!
Überhaupt sind die hier ein sehr stolzes Volk. Die Leute mit denen ich bis jetzt gesprochen hab wissen bestens über die (armenische/welt-) Geschichte bescheid und worauf man sonst so Stolz sein kann. Außerdem hab ich den Eindruck, dass die hier immer bestens bescheid wissen was so in der Welt abgeht. Mit Susi hab ich mich ne weile über Bomben in London und Bagdad unterhalten, den Eurovision Songcontest, über billige Küchengeräte aus China und deutsche Wertarbeit. Susi will eine Siemens-Küchenmaschine.
Irgendwann hat mir die Lady aus meim Zimmer noch einen Dr. Sedzak vorgestellt. Der ist ca. 30. Da ich aus „germany“ bin und „Mechanical Engineering“ studier hat er das Bedürfnis verspürt mir ein Buch zu schenken indem seine Doktorarbeit drin ist. Das wurde in Moskau veröffentlicht. Soweit ich ihn richtig verstanden hab hat er sich wohl ziemlich ausführlich und ziemlich theoretisch mit plastischen Verformungen auseinandergesetzt. Ein paar Formeln und Abbildungen daraus kommen mir bekannt vor (was ich schon ziemlich cool finde). Mir scheint es aber als ob es den Typen am Institut vergnügen macht alles in irgendwelche partiellen Differentialgleichungen zu pressen. Wenn ich hier noch halbwegs lern wie man so was macht kann ich wirklich zufrieden nach hause. Ansonsten ist das Buch weitgehend unverständlich und russisch, aber russisch lern ich dann nach den Faxen mit den DGLs.